Ausbildung von Pferd und Reiter
(Mit Zitaten von Nunó Oliveira, dessen Einstellung und Reitkunst uns ein großes Vorbild sind.)
Man hört ja häufig, Freizeit- und Wanderreiter könnten nicht reiten!
Ja, das mag in vielen Fällen stimmen. Aber wo sind sie denn, die "guten Reiter".
Findet man sie in den Reitvereinen, in denen ein Panoptikum aller möglichen Hilfszügelarten vertreten sind, die, im Widerspruch zu aller Reitkunst zu permanten Hilfen verkommen sind?
"Reitgefühl, das ist nicht nur Feinheit der Hilfen, sondern auch das Gefühl für die Wahl der einzusetzenden Hilfen und es ist das Sammetweiche im Zusammenspiel."
Findet man sie in den Dressurvierecken, in denen verspannte Pferde, zusammengezogen und ohne Schwung ständig nach vorne getrieben und mit "Rollkuren" gefügig gemacht werden?
"Ein ausgebildetes Pferd ist ein lockeres, angenehm zu reitendes, zufriedenes Pferd, und nicht eines, welches herumfuchtelt."
Findet man sie bei einer Western-Reining, in der dressierte Pferde, die auf dem Abreiteplatz vorher mit teils drastischen Methoden gefügig gemacht wurden, scheints bar jeder Persönlichkeit, ihre einstudierten Figuren darbieten?
"Es gibt keine Tricks beim Reiten. Es gibt nur Reiter, die mehr oder weniger reiterliches Taktgefühl haben und ... die anderen."
Mit Absicht bediene ich hier eine Reihe von Vorurteilen die genauso wie das erste, leider oft genug auch gerechtfertigt sind.
Hierzu gefällt mir noch ein Spruch von Nunó Oliveira:
"Häufig treffe ich fein gekleidete Herren mit einer schönen Kravatte und guten Manieren. Man setze sie auf ein Pferd und schon klappern und stechen sie. Ich verstehe diese Verwandlung nicht. Boten sie zu Fuß nicht das Erscheinungsbild zivilisierter Menschen?
Ich meine, dass eine Hinwendung zum Turniersport, den Ehrgeiz der meisten Reiter dergestalt weckt, dass die Ansprüche des Pferdes weit heruntergefahren werden und deren Motivation und Freude darunter leiden. Dieses Reiten hat dann nichts mehr mit "der Reitkunst" gemeinsam.
"Reiten ist nicht der öffentliche Erfolg oder die Selbstzufriedenheit nach einigen Beifällen, es heißt auch nicht, um jeden Preis einer Wettbewerbsjury zu gefallen, es ist das Zwiegespräch mit dem Pferd, die Suche nach Einheit und Vollkommenheit."
Das Reiten im Sinne der alten Rittmeister wie La Guérinière und in neuerer Zeit Nunó Oliveira, heute wieder von Leuten wie Bent Branderup oder Philipe Karl ganz aktuell, ist für uns erstrebenswert.
Auch wenn ihr Können uns Lichtjahre entfernt von dem Unseren scheint, erfreuen wir uns doch an jedem kleinen Fortschritt auf dem Weg zum Ziel und sind gespannt, wie weit wir in unserer kurzen Lebensspanne kommen können.
An die Anatomie der Rasse angepasstes Reiten und eine korrekte Grundausbildung müssen die Basis bilden, auch für eventuelle spätere Fachspezialisierungen.
Und immer wenn wir mit unseren Pferden die Früchte der Übung in der Bahn, im Gelände entspannt genießen, wird uns wieder bewußt, dass sich jede Arbeit und Mühe gelohnt hat.