Am Anfang steht das Ziel. Welches Ziel wollten wir im Endeffekt erreichen? Es sollte eine Prüfung zum VFD Reitbegleithund abgelegt werden.
Was soll geprüft werden?
Prüfungsteil 1 (Mensch mit Hund ohne Pferd)
Leinenführigkeit - Freifolge - Gleichgültigkeit bei lautem Geräusch - Durchqueren einer Gruppe mit Hund - Ablegen mit Heranrufen.
Erst alles mit Leine, dann noch einmal ohne Leine.
Prüfungsteil 2 (Mensch mit Pferd und Hund)
Aufsteigen, Anleinen und Anreiten - Leinenführigkeit vom Pferd aus - Ableinen vom Pferd aus - Freifolge - Durchqueren einer Gruppe mit Hund - Gleichgültigkeit bei lautem Geräusch - 3 Hindernisse bewältigen mit Leine - Hindernis überqueren (nur der Hund - Pferd läuft am Hindernis vorbei) - Hindernis überqueren (nur das Pferd - Hund läuft am Hindernis vorbei) - ableinen - 3 Hindernisse bewältigen in der Freifolge - Ablegen mit Abholen - Ablegen mit Heranrufen - anleinen - Absteigen mit angeleintem Hund - Ablegen des Hundes (3 Minuten)
Prüfungsteil 3 (Mensch mit Pferd und Hund im freien Gelände)
Aufsteigen, Aneinen und Anreiten - Leinenführigkeit vom Pferd aus - Ableinen vom Pferd aus - Freilauf mit Herankommen - Anleinen vom Pferd us - Begegnung mit Fußgängern mit Hund - Verhalten im Straßenverkehr - Begegnung mit anderen Verkehrsteilnehmern - Absteigen mit angeleintem Hund - Ablegen des Hundes (mehrere Minuten)
Die Lehrgangsdauer war auf vier Wochenenden geplant. Zwei Wochenenden nur mit Hund und 2 Wochenenden mit Pferd und Hund.
Als Teilnehmer waren dabei:
Christine mit Rufus (Rüde, 2 Jahre, Mischung aus gr. Schweizer, Hovawart und Malinois) selbstbewußt, Pubertär, begeistert, fängt momentan gerne Streit mit anderen Rüden an, wildinteressiert, hat schon an Ausbildung in mehreren Hundeschulen teilgenommen.
Manfred mit Berta (Hündin, 2 Jahre, Vollschwester von Rufus, selbstbewußt, begeistert, bisher keine Ausbildung mit Kommandos, hier geboren, Familien- und Rudelaufzucht, dadurch gute Grundkonditionierung, mental stabil aber nicht verwöhnt, kennt seinen Platz im sozialen Gefüge)
Ingeborg mit Aslan (Rüde, kastriert, jung, Australian Shepherd, ruhig, nach Dogmanship ausgebildet)
Alex mit Nero (Rüde, jung, Rhodesian Ridgeback, zurückhaltend, ängstlich, geht aus Angst selbst angegriffen zu werden andere Rüden an, Begleithundprüfung)
Jürgen mit Sally (Hündin, jung, Harzer Fuchs, aufgeregt, nervös, sensibel, schon ein wenig autodidaktisch geübt)
Dagmar mit Fly (Hündin, jung, Australian Shepherd, zurückhaltend, vorsichtig, sensibel, ausgebildet)
Als erstes mussten wir durch das Tal der Theorie. Dagmar vermittelte uns
viel Wissen aus den Bereichen Recht - Bedürfnisse des Hundes - Entwicklunsphasen - Körpersprache des Hundes - wie lernen Hunde? - Kommunikation - Timing - Strafen - Belohnung - Grenzen der Erziehung - Triebe - Aggressionen - Grundsätze
Zwischendurch gingen wir mit den Hunden auf eine erste Sichtung, machten sie miteinander bekannt, trennten die Rüden. Wir beobachteten die Körpersprache und das Rudelverhalten und verglichen es mit der gelernten Theorie. Gleich führten sich die Malinois als Führungspersonen auf und splitteten die anderen, sobald diese sich im Spiel vergnügten. Dies geschah einfach durch körperliche Präsenz. Mit Tempo dazwischen rennen und im vorbeilaufen mal ordentlich gebrummt. Schon war der Spaß bei den Shepherds vorbei. Innerhalb von 20 Minuten hörte das fröhliche Spielen einfach auf. Die Shepherds trauten sich nicht mehr.
Nun unterbanden wir das splitten. Sobald der Versuch von den Malinois gestartet wurde, unterbrachen wir dieses Verhalten und siehe da, nach ein paar Versuchen hörte auch das Splitten auf.
Wir lernten die Aufmerksamkeit unserer Hunde auf uns zu konzentrieren, sie mit Spaß zu motivieren, auch wenn wir uns selbst manchmal wie Clowns aufführen mussten. "EEiiiihh der guuute Hund!!! Feeiiin macht er das!!!" und so weiter :-)
Als nächstes sichteten wir die beiden Rüden, deren Verhalten gegenüber ihresgleichen den Frauchen keinen Anlaß zur Freude gab. Beide gingen erst mit größerem Abstand, dann immer näher aneinander vorbei. Wir beobachteten das Verhalten der beiden. Schnell sah man, dass Rufus einfach nur ein pubertärer Rüpel ist. Er sah den anderen Hund, schaute herausfordernd und sobald der andere sich rührte wollte er sich auf ihn stürzen. Nero hingegen, der Rhodesian Ridgeback, versuchte erst sich ein bißchen hinter seinem Frauchen zu verstecken und als er merkte das dies nicht gelingt, gab er den Aggressiven damit der andere gar nicht erst auf die Idee kommen sollte ihm etwas anzutun. Wenn schon Krach, dann wollte er wenigstens zuerst anfangen. Dagmar gab Tips um das unerwünschte Verhalten zu unterbrechen, die natürlich auf die Schnelle keine Wirkung zeigen konnten. Nach mehrmaligem aneinander vorbei gehen wurde es Rufus einfach zu langweilig und Nero zog sich erneut eingeschüchtert hinter sein Frauchen zurück. Das brachte uns in dieser Sache nicht weiter.
Wir beendeten dann diesen Versuch und es war klar, dass diese beiden Hund in diesem Kurs keine Freunde mehr werden würden.
Danach ging es vor allem auf den Platz. Dort übten wir die einzelnen Grundkommandos wie Sitz, Platz und bei Fuß. Zwischendurch machten wir die Hunde mit den Hindernissen bekannt.
Alle Hunde machten super mit. Ich war auch von unserer Berta total begeistert. Sie hielt zwar einen Individualabstand zu mir und später auch zum Pferd ein, war aber total motiviert und ließ mich kaum aus den Augen so lange sie sich konzentrieren konnte. Man merkt doch deutlich, dass der Hund in unserem kleinen Rudel mit meiner Frau Jutta als Chef, mir, zwei Kindern und drei Artgenossinnen gut sozialisiert ist. Ich war begeistert. Auch die anderen Hunde fühlten sich in der Atmosphäre offensichtlich wohl und machten toll mit, von den Frauchen/Herrchen gar nicht zu reden :-).
Die beiden Wochenenden verflogen nur so. Zwischen den Wochenenden hatten wir noch etwas Gelegenheit mit unseren Hunden zu arbeiten. Zu meiner Schande muss ich allerdings gestehen, dass ich kaum Zeit dazu hatte. Ich merkte Berta regelrecht an, dass ihr das gar nicht gefallen hat. Sie schlich immer herum und wartete förmlich darauf, dass es weitergeht.
Am Ende des zweiten Wochenendes hatten wir unser Ziel jedenfalls erreicht. Den Prüfungsteil I konnten wir schaffen. Wir hatten uns ein Pattern erdacht, in dem alle verlangten Prüfungsteile vorkamen.
Der sah in etwa so aus:
Mit angeleintem Hund bei X in Grundstellung gehen (Hund sitzt neben oder vor dem Besitzer)
Hundeführer geht mit dem Hund angeleint bei Fuß rechte Hand. (Dabei darf der Hund rechts oder links gehen. Da er beim Pferd zumindest im Straßenverkehr immer rechts gehen soll, muss er zumindest rechts gehen, oder auf Kommando beides können)
Auf der langen Seite je eine Kehrtwendung bei E und H.
Bei E Laufschritt, bei H langsamer Schritt, bei C abbiegen und die Gruppe mit Hund zweimal durchqueren. Dabei macht der Prüfer in der Gruppe ein lautes Geräusch, dass den Hund nicht irritieren soll.
In der Gruppe mit dem Hund in Grundstellung gehen.
Nach X gehen - den Hund in Grundstellung ableinen.
In Freifolge bei Fuß auf die rechte hand gehen.
Dann folgt dieselbe Übung wie vorher nur eben in der Freifolge.
Am Ende nach X gehen und den Hund ablegen.
20 Meter vom Hund weggehen und sich dem Hund zu wenden. Auf ein Zeichen des Prüfers wieder zum Hund zurückgehen. Grudstellung einnehmen.
Mit dem Hund in Freifolge bei Fuß 20 Meter gehen, Kehrtwendung, den selben Weg zurückgehen, den Hund aus der Bewegung ablegen, 20 Meter weitergehen und sich dem Hund zu wenden.
Auf Kommando des Prüfers den heranrufen und anleinen.
Ganz schön lange und für den Hund eine harte Konzentrationsaufgabe. Als wir das alle geschafft hatten, waren wir wirklich stolz auf das Erreichte und trennten uns mit der Freude auf die Wochenenden mit Pferd.
Es geschah wie geplant, wir trafen uns und los ging es mit den Pferden. Die Mensch Hund Paar wurden jetzt durch ihre Pferde ergänzt.
Wie sich herausstellte waren die Pferde durch die Bank problemlos. Keines hatte Angst vor Hunden, keines war besonders undiszipliniert oder schlecht geritten.
Im Grunde übten wir jetzt auf dem Platz dasselbe wie vorher ohne Pferd. Als Schwierigkeit kam das An- und ableinen vom Pferd dazu. Nero, Aslan und Fly beherrschten das Hochstehen am Pferd zum An- und ableinen schon. Leider hatten wir nicht die Zeit das allen Hunden beizubringen. Dann hielten die Hunde natürlich etwas mehr Abstand vom Pferd, als mit dem Frauchen/Herrchen auf dem Boden, was aber gerne toleriert wird. Das Aufmerksammachen des Hundes vom Pferd aus, wird auch gleich etwas schwieriger, gelang aber allen gut.
Wir machten alle Platz-Übungen auch im Gelände, organisierten die Begegnung mit Gruppen und anderen Hunden und übten auf freiem Feld das Ablegen in den vorgeschriebenen Varianten. Etwas Schwierigkeiten hatten alle mit dem Ablegen aus der Bewegung. Das war dann doch eine Herausforderung. Die meisten mussten dann doch mal kurz stehenbleiben um den Hund abzulegen und es war den Hunden auch gar nicht recht auf freiem Feld so weit weg von der Truppe liegen zu bleiben. Daran müssen wir noch arbeiten.
Als Prüferin konnte ich Petra Nedell gewinnen, die es von der Mosel nicht so weit zu uns hatte. Sie gehörte damals zu den ersten, die sich mit Reitbegleithundkonzepten in der VFD auseinandersetzten.
Sie kam dann am Sonntag zu uns. Sie war mit den kleinen Änderungen der Prüfungskriterien sehr einverstanden, weil sie auch damals schon zu der Fraktion gehörte, die die starke Anlehnung an die VDH Kriterien nicht wollte, weil sie teilweise darin keinen Sinn für den Gelände- bzw. Wanderreiter sehen konnte.
Trotz großer Aufregung bestanden alle Probanten die Prüfung mit sehr guten Punktwerten. Wir waren sehr stolz auf unsere Hunde.
Wir werden den Kurs baldmöglichst wiederholen. Unter den Teilnehmern kam die Frage auf, ob wir nicht eine Hundeschule mit regelmäßigen Terminen anbieten wollen. Hier könnten die regionalen Teilnehmer auch miteinander üben und sich bei Problemfällen Einzelunterricht buchen oder bei neuen Übungen Tips geben lassen.
Die Idee gefällt uns auch, die Ausführung hängt aber von Anwesenheit des Hundetrainers ab. Wir arbeiten daran.
Bei der Gelegenheit möchten wir Dagmar Breitbach unseren besonderen Dank aussprechen. Sie hat große Kompetenz gepaart mit viel Einfühlungsvermögen für die tierischen und menschlichen Teilnehmer gezeigt. Wir haben viel gelernt.